Fatimapredigt vom 13. 09. 2007 gehalten v. H.H.Dechant Mag. Johann Grülnberger

 

Brüder und Schwestern im Herrn! Liebe Marienverehrer!

Auf unserer Reise durchs Leben brauchen wir einen Begleiter, der die Wege kennt, brauchen wir einen Halt, auf den man sich stützen kann. Das alles müssen wir nicht mühsam finden oder erfinden, das ist schon gegeben und wir brauchen diesen Schatz nur wieder zu entdecken und täglich in meinem, in unserem Leben zu verwenden: Den Rosenkranz. Eine Mutter weiß, was für ihre Kinder gut ist, und darum wird sie ihnen das immer wieder ans Herz legen. Deshalb hat die Gottesmutter in Fatima – vor 90 Jahren – den drei Hirtenkindern und durch diese auch uns nichts anderes öfter empfohlen als: „Betet täglich den Rosenkranz“ Kein Gebet ist in der Kirchengeschichte von den Päpsten den Gläubigen mehr ans Herz gelegt worden als der Rosenkranz. So viele vor uns haben in diesem Gebet Halt und Trost gefunden. Musiker Dichter Staatsmänner und Päpste. Oft sage ich den Leuten: *Der Rosenkranz ist die beste, billigste und fruchtbarste Waffe in den Händen der Menschen. Der österreichische Bundeskanzler Leopold Figl sagte zu P. Petrus, dem Gründer des Sühnerosenkranzkreuzzuges: „Du P. Petrus, und wenn wir zwei alleine rosenkranzbetend um den Ring ziehen, wir beten ihn solange, bis Österreich frei ist.“ *

Papst Johannes Paul II bekannte: „ Der Rosenkranz ist mein Lieblingsgebet“. Große Heilige, wie ein Klemens Maria Hofbauer, ein Pfarrer von Ars oder auch der sel. Papst Johannes XXIII, sie alle haben dieses Gebet geliebt und es gehörte einfach zu ihrem Alltag dazu. Prominente und viele, viele einfache gläubige wussten dieses Gebet zu schätzen. Da wurde gleich zu Beginn der Nazizeit  ein kath. Arbeiter in das KZ Dachau gebracht. Nach seinem Tod schickte man der Frau den Anzug zurück, das war am Anfang dieser Schreckensherrschaft noch üblich. Als die Frau mit zitternden Händen die Taschen des Anzuges abtastete, fand sie darin eine aus Stoffresten angefertigte Schnurr mit lauter Knoten. Nach 10 kleinen Knoten kam ein Doppelknoten und das 5 mal. Sie hielt den Rosenkranz eines Märtyrers unserer Zeit in ihren Händen, der noch mitgegangen war in das Dunkel und den Mann gehalten hat und getragen hat. In den vatikanischen Museen on Rom war ein Rosenkranz zu sehen, der in einem Kriegsgefangenenlager aus dem kostbarsten Material, das es im Lager gab, angefertigt wurde, nämlich aus Brotkrummen. Dass sich ein hungernder Soldat das lebensnotwendige Brot vom Mund abgespart hat, um davon einen Rosenkranz zu gestalten, spricht mehr für den Wert dieser hl. Rosenkranzkette, als 100 dicke Bücher dies tun können. *Noch ein kleines Beispiel aus dem Krieg: Ein Soldat hatte in seinem Soldbuch ein Bildchen der Rosenkranzkönigin; er selbst wird es kaum hineingegeben haben, da er wenig Bezug zum Glauben hatte, wahrscheinlich hat es ihm seine Gattin bei einem Urlaub hineingegeben.  In der Hitze des Kampfes explodierte in seiner Nähe eine Granate, viele seiner Kameraden waren tot, auch ihn traf ein Granatsplitter, aber er spürte keinen Schmerz, obwohl sein Gewand in der Herzgegend ein Loch hatte – der Splitter blieb im Bildchen der Rosenkranzkönigin stecken....*

Aber warum hat so vielen Menschen – bekannten und unbekannten Christen – dieses Gebet soviel bedeutet? Nun 10 mal wird bei einem Rosenkranzgeheimnis das Gegrüßet seist du Maria wiederholt. In der Mitte dieses Gebetes steht das Wort Jesus. Jesus war auch ganz und gar die Mitte im Leben der Gottesmutter. Sie hat kein größeres Interesse als jenes, als dass wir ihn immer besser kennen lernen und er auch bei uns zur Mitte des Lebens wird. *“Auf Jesus schauen“ war das Motto des Besuches unseres Hl. Vaters; und immer wieder hat er uns dies zugerufen und eingeladen auf Jesus zu schauen*. Niemand kennt sein Kind besser, als seine Mutter, niemand kennt Jesus besser als seine Mutter Maria. Darum dürfen wir an der Hand Mariens zu Christus gehen. „Auf Jesus schauen“ – das ist nicht erledigt mit der Rückkehr des Papstes nach Rom – das ist für uns alle eine Lebensaufgabe. Auf Christus schauen, das können wir sehr gut im Rosenkranz, wo ja nach dem Wort Jesus vorm Gegrüßet seist du Maria die wichtigen Stationen seines Lebens überdacht werden. Maria lehrt uns, Jesus zu erkennen und zu lieben. Von daher können wir verstehen, warum viele Heilige und andere große Menschen eine solch tiefe Beziehung zu Christus hatten. Diese ist gerade durch das Rosenkranzgebet gewachsen. Deswegen haben gerade in kritischen Zeiten, in Zeiten der Not, die Menschen durch das Rosenkranzgebet an der Hand der Mutter Zuflucht bei Christus gesucht und so seine Nähe erfahren.

Als 1571 die Türken Europa bedrohten haben die Menschen zum Rosenkranz gegriffen und die Gefahr konnte abgewendet werden.

Heute gibt es Nöte anderer Art, Nöte, die massiv sind und uns nicht gleichgültig sein dürfen: Der große Mangel an geistlichen Berufen, die immer geringer werdende Kinderzahl, sodass wir viele Zuwanderer brauchen, die Bedrohungen für unsere Jugendlichen und Kinder, die Glaubensnot und Kirchenferne so vieler, der Zusammenhalt der Ehen und Familien. Grund genug, dass wir auch heute wieder zum Rosenkranz greifen und ihn beten. Also Gründe über Gründe, 90 Jahre nach den Erscheinungen von Fatima endlich der Bitte der Gottesmutter zu entsprechen.

Außerdem klagen nicht wenige über Hektik und Stress. Und viele meinen, es bräuchte fernöstliche Techniken, um Ruhe und Stille zu finden. Dabei hätten wir im Rosenkranz ein wirklich gute Gelegenheit zur Ruhe zu kommen, zur Ruhe beim Herrn. Der Tiroler Altbischof Stecher sagte darum: „Beim Rosenkranz ist das Beten nicht nur ein jäher Aufschrei, ein vorübergehender Anfall, ein herrschender Gedanke, ein schneller Telefonanruf beim lieben Gott. Im Rosenkranz steckt etwas vom ruhigen Schlag einer alten Standuhr. Der Rosenkranz ist ein bergendes Gebet. Mit seinen 59 Holzperlen ist er wie ein Kugellager, auf dem das unruhige Herz sanft dem ewigen Erbarmen zurollt. Papst Johannes Paul II hat bekannt, dass der Rosenkranz ihn seit seiner Kindheit und Jugend tätlich begleitet hat. Auch ich habe dank der Legio Marie als Gymnasiast dieses Gebet entdecken dürfen und lieben gelernt und seither begleitet er mich täglich. Er ist auch für mich zu einem guten Begleiter geworden, auf den ich nicht verzichten möchte. Und wird es einmal am Tag spät – doch für den Rosenkranz nehme ich mir dann noch immer Zeit. Ich möchte ihn einfach nicht missen. Alles was man können will, muss man lernen und üben – so ist es auch mit dem Rosenkranzgebet.

Beginnen wir mit einem Gesetzchen am Tag – das dauert 5 Minuten und diese Zeit können wir alle finden, wenn wir wollen. Möge das heurige Fatimajubiläumsjahr ein Anstoß für uns persönlich sein, auch für uns den Rat der Gottesmutter anzunehmen und dieses kostbare und wertvolle Gebet zu pflegen.

Vom berühmten kaiserlichen Feldherrn Tilly wird folgendes Gebet überliefert. Es sind die schlichten Worte: „Den Rosenkranz in meinen Händen, auf das Kreuz den letzten Blick, so möchte ich mein Leben enden. Mutter gib mir dieses Glück.“ Lassen wir den Rosenkranz auf für uns zum persönlichen Begleiter werden – dann sind wir gut durch dieses Leben unterwegs – dann kann es auch, nein dann wird es auch für uns einmal gut enden. Amen.