Lourdespredigt 2007       C       22.7.2007

Grüße aus Lourdes... 3 Personen + 2

 „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt: ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Diesen Satz kann man in Lourdes hautnah erleben, woher wir wieder mit vielen Eindrücken und Erlebnissen zurückgekehrt sind.
 Und es ist die große Einladung, die besonders von Lourdes in die Welt hinausgeht.
Jedes Wort dieser Einladung ist wichtig und so möchte ich einladen, diese mit mir kurz zu bedenken:
1. Allem voraus: Kommt! – Komm! – ein Wort, das wir schon beim Propheten Jesaja lesen:
„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Kommt und kauft ohne Geld! Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir! Hört, dann werdet ihr leben!“
Ganz ähnliche Worte hören wir häufig auch aus dem Munde Jesu und lesen sie in den Evangelien: „Kommt und seht!“ „Kommt, folgt mir nach!“ „Kommt abseits und ruht ein wenig aus!“ „Wer durstig ist, komme zu mir und trinke..!“ Und im heutigen Evangelium:
„Kommt alle zu mir...!“ Dieser Ruf ist ein Ruf zum Glauben, zur Nachfolge, zur Jüngerschaft, ein Ruf zu einem Leben in der innigen Gemeinschaft mit dem Herrn.
Dieser Ruf des Herrn, diese Einladung des Herrn hat uns – 225 Personen wieder neu getroffen in den vergangenen Wochen bzw. Monaten, wo vielleicht irgend jemand oder eine innere Stimme uns gesagt hat: Komm mit nach Lourdes! Komm, so wie du bist! Komm mit deinem Leben, deinen Fragen, deinen Anliegen und Sorgen, mit deinen Ängsten und Zweifeln, mit deinen Wunden und Krankheiten und Schmerzen, mit deinem Scheitern und deiner Schuld und mit allem, was dein Leben schwer macht!
Und vor allem: Komm mit all deinen Lieben; mit allen, die du im Herzen trägst! Wie heißt es so treffend?: Nach Lourdes fährt man nicht; nach Lourdes wird man gerufen!
2. Genauso wichtig ist das zweite Wort dieser Einladung des Herrn:
„Kommt alle zu mir!“ Alle – ohne Ausnahme: ob jung oder alt, ob krank oder gesund,
ob Heiliger oder Sünder! Niemand soll ausgeschlossen sein! Niemand soll sich als unwürdig betrachten! Niemand soll meinen, er brauche keine Stärkung, keine Tröstung,
er brauche keine Heilung, keine Vergebung!
3. Das dritte Wort des Herrn: „Kommt alle zu mir!“ ER ist der Weg und das Ziel: das Ziel unserer Pilgerschaft, das Ziel unseres Lebens, unserer Sehnsucht. ER ist die Quelle des Lebens und stillt unseren Durst. ER ist das Licht des Lebens und macht hell unseren Weg.
Auch wenn unser Weg zunächst zur Mutter des Herrn geht, sie führt uns doch weiter! Zu ihrem Sohn: „Was ER euch sagt, das tut!“
4. „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, die ihr müh-selig und beladen seid!“ Wer fühlt sich von dieser Einladung des Herrn nicht angesprochen!? Jeder von uns ist da gemeint! Jeder von uns hat ja seine je eigenen Lasten und Plagen, (sein eigenes „Pinkerl“, seinen eigenen „Rucksack“)! Ja, jeder von uns könnte da wohl eine ganze Litanei anstimmen von dem, was er als Plage, als Last, als Kreuz auf seinen Schultern trägt; von dem, was er an Sorgen und Kummer im Herzen trägt; von dem, was er an Bitten und Anliegen und an Fürbitten für seine Lieben daheim im Reisegepäck hin zur Grotte mitgenommen hat: „Mit Kummer und Sorgen beladen, doch auch mit vertauendem Sinn, so ziehn wir zur Mutter der Gnaden, zu ihrem hochheiligen Bild.“
Ja, in diese Grotte hinein, wo einst über dem Schmutz und Gestank einer Mülldeponie des örtlichen Krankenhauses sich für Bernadette der Himmel aufgetan hat, in diese Höhle hinein d.h. in den Mutterschoß der barmherzigen Liebe Gottes hinein – dürfen wir unser Leben bergen, dürfen wir aus der reinen Quelle trinken, dürfen wir ein Stückchen geöffneten Himmel erfahren und mit den Jüngern am Berg der Verklärung sagen: „Hier ist gut sein!“

Das Bild der Gottesmutter, Geliebte im Herrn, ist aber immer auch eine Einladung zum Lobpreis und Dank – eine Einladung, einzustimmen in ihren wunderbaren Lobgesang,
in das Magnifikat: „Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“
 Das, Geliebte im Herrn, war die Erfahrung von Bernadette Soubirous hier an dieser Grotte, und durch Bernadette hat Maria alle eingeladen: „Ich will, dass man in Prozessionen hieher kommt“. Und dieser Einladung folgen alle Jahre Millionen von Menschen und erfahren Heil in ihre Seele. Und so möchte ich diese Einladung weitergeben an Sie, liebe Gläubige, lassen Sie sich von Maria rufen! Denn nach Lourdes fährt man nicht, nach Lourdes wird man gerufen. Amen.